100 Meilen von Berlin/Mauerweglauf

  • Der Berliner Mauerweglauf: 100Meilen auf den Spuren deutscher Geschichte

    Seit 2011 erinnert der Mauerweglauf an die Opfer der früheren Grenze, die Deutschland zwischen 1961 und 1989 teilte. Gelaufen wird dabei auf dem ehemaligen Grenzstreifen, das sind etwas mehr als 161 Kilometer rund um das westliche Berlin. Schirmherr der 100MeilenBerlin ist der frühere DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann.


    2022 findet der Mauerweglauf am 13. und 14. August statt. Die Laufrichtung erfolgt diesmal gegen den Uhrzeigersinn. Die Anmeldung öffnet wie immer am 9. November 18:57 Uhr.


    http://www.100meilen.de


    100 Meilen Starterinnen: 13.08.22 6.00 Uhr


    Kerstin H., Lena P.


    2er Staffel: 73km + 88km 13.08.22 7.00 Uhr


    FH Runners Berlin Maik V. + Enrico W.

    FH Runners Berlin Team Ragnarians Sylvia S. + Marco G.

  • Zieleinlauf


    Einzel - 161k

    Ges.Pl. 198 - AK Pl. 4 - Lena Plamp - FH Runners Berlin - 26:21:58

    Ges.Pl. 229 - AK Pl. 2 - Kerstin Hommel - - LG Ultralauf - 27:30:19


    2er Staffel: 73km + 88km
    Ges.Pl. 1 - FH Runners Berlin - 16:25:28

    Maik Vogel + Enrico Wiessner

    Ges.Pl. 31 - Ragnarians - 26:23:43

    Sophie Wetter-Ziegler + Marco Grof

    :00008674::00008674:

    Begleiter Rad - Anja Weick + Jan Trabandt + Hanny Schneider + Jacobo Conrado

    Wenn die Klügeren immer nachgeben, bestimmen die Blöden.

    Einmal editiert, zuletzt von Hanny-697 ()

  • Ich hab da mal einen Laufbericht geschrieben. Nicht ganz kurz, aber es war auch ein reichlich langer Lauf:

    Sie sind gelaufen, meine zweiten 100 Meilen auf dem Mauerweg Berlin! Ich bin sie gelaufen! ... und auch gegangen. Inzwischen bekomme ich auch wieder zusammenhängende Sätze heraus, Gelegenheit für eine erste Nachlese. Und vor allem für ein großes Dankeschön an alle Unterstützer an der Strecke, die Helfer an den Verpflegungspunkten, viele Lauffreunde auf und an der Strecke, insbesondere meine Radbegleitung Jan durch die Nacht bis ans Ziel, der dabei selbst das Rad schiebend einen Ultra gelaufen ist, an Carsten, der mir am WP3 den Magen mit einer Brotsuppe gerettet hat, meine Kinder, die mir aus der Ferne die Daumen gedrückt haben. Ein großes, besonderes Dankeschön an meinen Liebsten, den ich schon mit meiner Laufanmeldung ins Wechselbad der Gefühle gestürzt habe, der aber immer an mich glaubt, sich nicht nur um das kulinarische Wohl vor und nach dem Lauf sorgt, der mit mir mitleidet und mein liebevolles Hinterland ist.


    Es war im Voraus schon klar, abgesehen von der Streckenlänge würde es kein einfacher Lauf durch die Hitze werden. Nach den letzten 100 Meilen 2018 habe ich mich in den Tagen vor dem diesjährigen Mauerweglauf mehr ausgeruht, auf Schlaf geachtet, hab eine Radbegleitung durch die Nacht eingeplant, Schuhe unterwegs gewechselt... Sonst das, was auch sonst für Ultraläufe gilt.
    Ich hatte ein Maximalziel: die 100 Meilen in 24h zu schaffen. Vor allem aber wollte ich jenseits von Zeiten gesund, mit guten Erlebnissen, wenn es geht mit einem Lächeln am Ziel ankommen!
    Ich habe in der Nacht vor dem Lauf kaum ein Auge zubekommen. Um drei Uhr klingelte auch schon der Wecker. Gegen 5 Uhr gut "aufgewärmt" am Erika-Hess-Stadion angekommen, traf ich viele bekannte Gesichter: Mechthild, Andreas, Franz, Alex, Carsten, Kathrin und einige andere von der LG Ultralauf, Lena von meiner Berliner Laufgruppe FH Runners, von der LG Mauerweg... 6 Uhr der Startschuss. Ich lief gut, noch nahezu leichtfüßig los! Der erste Marathon etwa im 7:30er/km-Schnitt, es war warm, aber die Sonne brannte nicht vom Himmel. An den Verpflegungspunkten Wasser nachgefüllt und Wasser oder Wasser-Cola-Mix getrunken, alle 2h eine Salztablette dazu, eine Melonenscheibe gegriffen, Stirnband und Gesicht aufgefrischt, Riegel, Salzstangen bissenweise reingequält. Immer noch guter Dinge!


    Etwa bei km 26 hatte mich Maik von unserer Zweierstaffel der FH Runners ein- und im Nu überholt. Sie sollten zusammen mit Enrico im spannenden Wettkampf die Zweierstaffel gewinnen, mit nur 5 Minuten Vorsprung!


    Beeindruckend und Innehalten nach km 49 an der Gedenkstele für Ulrich Steinhauer (1956 – 1980). Neben der Stele war eine Tafel aufgestellt, an der die Läufer Worte des Gedenkens, Wünsche anbrachten: Ruhe in Frieden! Niemals vergessen! Für eine Welt in Frieden ohne Grenzen!

    Es ist durchaus nicht selbstverständlich, diesen Lauf zu laufen. In vielerlei Hinsicht! Es bleibt viel Zeit für Gedanken... Irgendwann später in der Nacht ging nur eines durch den Kopf: Weiter gehen! Wenn es irgendwie geht – laufen, denn anders komm ich nicht an. Und ankommen will ich!

    Wie sagte Patricia von der LG Nord am VP 10, km 54: „Der Rest läuft sich auch noch runter!“ Ewig zog sich der Abschnitt zum VP13 am Schloss Sacrow, hügelan. Ein Läufer meinte: „Ich wusste gar nicht, dass Berlin so viele Hügel hat!“ Nun zumindest das Umland. 73 km waren geschafft, noch nicht ganz die Hälfte. Bereits nach 16 Uhr war es heiß geworden! Dankeschön an Yvonne, sie füllte mein Wasser auf, ein Helfer brachte mir den Wechselbeutel mit Leuchtweste, leichter Stirnlampe schon für die Nacht! Ich nahm noch Haferbabybrei aus dem dropbag für den weiteren Weg. Es wollte nichts mehr in den Magen, zur Flüssigkeit konnte ich mich noch überreden. Unbedingt Wasser über Kopf und ins Gesicht zum Runterkühlen des Körpers.


    Kurzer Austausch mit Kathrin, Alex, Franz ... Wir trafen uns immer wieder unterwegs. Weiter lief es, aber schon deutlich langsamer als geplant. Ab einem bestimmten Tempo gab der Magen Bremssignale. Vorerst lenkte die schöne Potsdamer Umgebung gut ab. Spaziergänger fragten, was wir hier so laufen. Halbmarathon? Als ich antwortete: 100 Meilen! Erntete ich unfassbare Blicke und die Gegenfrage: Und wieviel sind es nun wirklich?


    Mit meiner Radbegleitung Jan hatte ich mich für den Wechselpunkt 3/ VP18, bei km 105 verabredet. Auf dem Sportplatz Teltow dachte ich, noch im Hellen anzukommen. Aber es wurde nun deutlich später, auf die Uhr schaute ich nicht so oft, achtete mehr darauf, wie es mir geht.

    Jan war mir schon nach Potsdam entgegen gekommen, noch vor dem Königsweg und musste nun noch ein paar km mehr absolvieren.


    Am VP 17 (km 99) zogen wir Warnweste an und Stirnlampe auf. Nach 22 Uhr erreichten wir den Sportplatz Teltow, bis hierhin waren wir reichlich 16 Stunden unterwegs. Inzwischen als Trio, Franz hatte sich Jan und mir angeschlossen.

    Wir wollten ankommen, unbedingt!


    Dazu musste ich erst einmal meinen Magen erleichtern, was so leicht gar nicht war! Carsten hat mir einen Becher verdünnte Brühe, darin Brot eingeweicht gebracht. Nicht mehr zu mir nehmen! Erst einmal zur Beruhigung! Zumindest lief, vielmehr ging es damit weiter. Ich hatte auch die Schuhe gewechselt, präventiv. Das erwies sich als eine gute Entscheidung, die Füße blieben nahezu blasenfrei.

    Ab jetzt sind die Erinnerungen nur noch bruchstückhaft, wahrscheinlich auch nicht chronologisch geordnet: Tolle Verpflegung bei Ninas Eltern am VP 20, 118 km. Schade, dass ich kaum etwas davon probieren konnte. Aber wir waren ja auch nicht zum Buffet angetreten! Irgendwo haben wir uns leicht verlaufen, die Pfeile aber schnell vermisst und wieder gefunden. Unterwegs rührte mir an einem VP eine gute Fee einen Haferbrei an, andernorts Kräutertee, kein Obst mehr, Wasser, auch von Jan unterwegs angeboten. Kartoffeln, Babybrei ließ ich sein. Salzstangen und ein Stückchen Riegel...Vom kürzlichen Mauerwegnachtlauf hatte ich die Waldstolperstücke noch in Erinnerung. Konzentration war gefragt, ab und an schien der Boden aus Watte zu sein, zu schwanken oder waren es doch die Beine?! Wach bleiben! Die Nacht brachte keine Erfrischung. Die Abstände zwischen den VPs 20 bis 22 von 7/ 8km zogen sich ... Ich sah in der Ferne schon ganz deutlich den VP, der sich dann doch als Fata Morgana erwies... Jan scherzte: Du sehnst den nächsten VP herbei, aber nimmst doch kaum etwas zu Dir! Aber so war wieder ein Abschnitt geschafft! Ich sah merkwürdige Bilder, aber dann doch wieder den Vollmond am Himmel, der uns den weg erhellte. Augen wieder auf!


    Dann eine ewig lange Gerade, hinter dem Lärmschutz an der Autobahn, Richtung Treptow. Es wurde hell. Wir liefen ein paar Schritte, gingen dann wieder mehr. Hanny, Radbegleitung der zweiten Zweierstaffel von den FH Runners, erreichte uns und bald auch Marco, der die Staffel ins Ziel brachte. Die Zweierstaffeln mussten bis zehn Uhr schon im Stadion sein! Auch ich wollte irgendwann ankommen. Da hilft nur: Jeden Schritt, wo es ging, laufen!


    Franz ging es besser und so konnte er etwas zulegen, ich verlor ihn aus den Augen. Die Umgebung wurde immer bekannter. VP 24 (km 145) am Dammweg, schließlich liefen wir über die Oberbaumbrücke in meinen Stadtbezirk Friedrichshain, selbst die Partygänger waren kaum noch unterwegs. VP 25, den vorletzten VP an der East Side Gallery, passierten wir um Dreiviertel acht. Nur noch 10,5 km! Der Morgen ging in den Tag über, die Sonne strahlte mit voller Kraft und ich sehnte mich voraus ins Ziel. Ich brauchte dafür aber noch zähe 1h:45!!! Immerhin hin und wieder im Laufschritt. Durch das Brandenburger Tor, am Reichstag und Hbf vorbei. Ich traf wieder auf Kathrin und Alex, die noch eine Verschnaufpause einlegten, ... und kurz vor dem Ziel trafen wir mit Jan auch Franz wieder. Ein Bogen hier, eine Kurve da – und schließlich liefen wir ins Erika-Hess-Eisstadion. Sylvia umarmte ihren Franz am Ziel, ich hörte Kerstin-Rufe... Unfassbar ich hatte es ein zweites Mal geschafft! Nach 27h:30Min.:18Sek. lief ich durch den Zielbogen! Auch Marco hatte einige Minuten vor mir die Zweierstaffel sicher im Zeitlimit ins Ziel gebracht.


    Nochmal großes Dankeschön an Jan! Viele Glückwünsche kamen von allen Seiten, tauschten wir aus! Erste Eindrücke ebenso! Schattenplätze waren rar, ganz zu schweigen vom Eis im Eisstadion.

    Ich wollte endlich nach Hause, Schatten, Kühlung... um noch rechtzeitig vor der Siegerehrung und Medaillenvergabe unter die Dusche zu kommen. Da erwartete mich mein Liebster auch mit Espresso und Waffeltorte. Vorerst noch leichte Kost ... Medaillenvergabe für alle Einzelfinisher, unweit vom Alexanderplatz. Es läuft immer noch alles wie ein Film in meinem Kopf ab. Ich konnte mich zwar noch gut auf den Beinen halten, nur die Augen fielen mir immer wieder zu. Erholung! Ausschlafen! Und ... nun sind auch die Laufeindrücke festgehalten.


    15.August 2022